

Stadtkirche Grünberg
Aus der Chronik von St. Peter in Erfurt wissen wir, dass Landgraf
Ludwig III. von Thüringen 1186 eine Burg auf dem "grünen Berg"
errichtete. Wahrscheinlich entstand bald danach die erste Siedlung.
Bereits 1195 hören wir wieder von Grünberg, als der Mainzer
Erzbischof mit Kölner Hilfe Burg und Ort zerstörte. Der Landgraf ließ
abe r Grünberg sofort wieder aufbauen. Von einem ersten Pfarrer
hören wir 1217, bereits 1222 erhält Grünberg Stadtrechte. Dies macht die Bedeutung der Stadt und ihre Lage an der bedeutenden
Handelsstrasse "Durch die kurzen Hessen" klar. Die Blütezeit erlebt Grünberg im 13. Jahrhundert. 1419 erhielt die Stadt eine soge-
nannte Wasserkunst. Aus dem Brunnental wurde das Wasser ca. 60 m hoch in die Stadt gepumpt und dort in sieben Brunnen geleitet.

Ein weiteres bedeutendes Ereignis war 1481 die Stiftung eines Jahrmarktes, des
Gallusmarktes, durch Kaiser Friedrich III. von Habsburg. Dieser Jahrmarkt be-
steht bis heute. Grünberg wäre fast die wichtigste Stadt des Kreises geworden,
wenn – wie zunächst geplant – die Universität, die dann in Gießen entstand,
hierher gekommen wäre. Pest und die Folgen der Kriege, besonders des
Dreißigjährigen Krieges, sowie häufige Stadtbrände machten der Stadt zu
schaffen – sie verlor an Bedeutung.
Die alte Kirche in Grünberg (Kirche Sancta Maria), die wahrscheinlich unter landgräflichem
Patronat stand, war kirchlicher Mittelpunkt für die umliegenden Orte. Nachdem 1770 einige
Kreuzgewölbe eingestürzt waren, verfiel sie in der Folge immer mehr. 1812 wurde sie
geschlossen. 1816 schließlich stürzte der 31 m hohe Turm ein – er zerstörte die Kirche restlos.
Nach einem Grundriss, den der Landbaumeister Georg Moller 1815 aufzeichnete, wissen wir, wie
die Marienkirche ungefähr aussah. Aus Anlass der 750-Jahr-Feier Grünbergs wurde ein Modell
der Kirche in einem Fünfzigstel der natürlichen Größe geschaffen und im Vorraum der heutigen
Stadtkirche aufgestellt. Wir können annehmen, dass die Marienkirche im 13. und im 14. Jahrhundert (Zeit der hohen Gotik) erbaut
worden war. "Die Noth war groß in allen Landen", so steht es in einer 1965 im Altar der Stadtkirche gefundenen Urkunde. Endlich am
15.01.1842 beschloss die Stadt, eine neue Kirche zu bauen.
Mehrere Pläne wurden gezeichnet und teilweise verworfen. Zwei Beamte des damaligen Kreisbauamtes Grünberg entwarfen einen
neuen Plan. Nach diesem wurde gebaut und am 28.8.1853 die Kirche nach 7 Jahren Bauzeit geweiht. Gebaut aus Londorfer Basaltlava
sollte sie nun länger stehen. Um diese Zeit, in der Phase des Historismus, versuchte man an Baustile der Vergangenheit anzuknüpfen.
Man wählte in Grünberg den Romanischen Stil, also ist es im Grunde ein "neoromanischer" Bau. Dennoch versuchte man im Kirchen-
bau einen eigenen Baustil zu begründen. Der Historiker J.D.E. Preuß hatte 1837 gefordert und beschrieben, wie evangelische Kirchen
aussehen sollten. Die drei Prinzipalstücke Altar, Kanzel und Orgel sollten, wie im Klassizismus aufgekommen, in der Mittelachse
angeordnet werden.
1965 -1968 wurde die Kirche tiefgreifend renoviert und umgestaltet. Dabei
wurde in das Untergeschoss unterhalb des Kaffgesims ein Gemeindehaus
eingebaut. Der Vorschlag stammte vom Architekten der Landeskirche,
Herrn Dr. Peter Weyrauch.
Manche Kunsthistoriker meinen die Kirche hätte dadurch an Bedeutung
verloren und der Gesamteindruck sei gestört. Ob man sich dieser
Auffassung anschließt oder nicht, bleibt jedem Besucher freigestellt.
Jedenfalls ist durch den Einbau von Gemeinderäumen eine bessere
Nutzung des Gebäudes ermöglicht. Aus der Zeit vor der Renovierung der Kirche sind – neben den Kirchenbänken – noch zwei große
Bilder des in Grünberg aufgewachsenen Malers Carl Geist (1870 -1931) erhalten.
Sie befinden sich in dem Raum, der hinter dem Altar liegt und durch eine Glaswand mit Glastür vom Kirchenraum abgetrennt ist. Bei
diesen Bildern handelt es sich um die "Auferstehung Christi" sowie "Jesus mit den schlafenden Jüngern Petrus, Johannes und Jakobus
im Garten Gethsemane" aus dem Jahr 1907. Nach der tiefgreifenden Renovierung in den 1960er Jahren hat der Kirchenraum noch zwei
weitere Gestaltungselemente aufgenommen. Zum einen wurde 1992 über dem Altar ein lebensgroßes spätgotisches Kruzifix aufge-
hängt, das wahrscheinlich aus der eingestürzten Marienkirche stammt und seinen Platz zunächst für viele Jahre in der Grünberger
Hospitalkirche gefunden hatte. Zum anderen sind an der Stirnwand der Kirche zu beiden Seiten des Altars Tonfiguren von Menschen
angebracht worden, die ihre Schritte zum Altar hinlenken. Geschaffen wurden diese Figuren von der Grünberger Künstlerin
Edda Seydel-Richter. Mittlerweile wurde der Kirchenraum durch drei zeitgenössische Arbeiten bereichert. Es handelt sich um Bilder der
Künstlerin Sablotzki-Weise (Kühler Engel und Kreuzigung) sowie ein Bild der Grünberger Künstlerin Manuela Daniel (Gemeinschaft).
Durch ihre expressive Farbgestaltung bringen sie Wärme in den eher kühlen Kirchenraum.
Text: Heinz P. Probst, aktualisiert von Pfr. Dr. J. Walldorf und Pfr. H. Miethe
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